>Da frag ich mich doch…

>Hintergrund:

Ich lernte heute, dass an Schizophrenie erkrankte Menschen in Vietnam (allg. Asien) weitaus weniger Ich-Störungen haben als europäische/abendländische Menschen mit schizophrenieformer Störungen.

Als Ich-Störungen werden Erlebensweisen bezeichnet, bei denen es zu Störungen der Ich-Umwelt-Grenze im Sinne einer Störung des personalen Einheitserlebens („Ich-Erleben“) kommt. (Wikipedia) (Anm.: z.B. Gedankeneingebung: Gefühl, daß Gedanken und Vorstellungen von außen her eingegeben, gelenkt und beeinflußt werden)

Wenn man nun davon ausgeht, dass die Gesellschaft in Asien eher kollektivistischer und in Europa/westlichen Ländern eher individualistischer Natur ist macht das durchaus Sinn. Mitglieder kollektivistischer Kulturen haben keinen oder nur ansatzweise autonom-individualistischen Ich-Begriff entwickelt. Sie fühlen sich dort mehr als (einzeln unvollständige) Teile des Familienverbands / der Gruppe.

So weit so gut. Frl. K. denkt nun aber weiter und erinnert sich an eine Grafik zum Thema Hilfsbereitschaft im kulturellen Vergleich über die sie kürzlich gestolpert ist. Der „World Giving Index“:

Man würde ja vermuten, dass Kollektivistische Kulturen, wegen dem stärkeren Bezug zum Anderen, an oberster Stelle liegen. Dem ist offensichtlich aber nicht so, sondern Kanada, Australien, Schweiz, also klar individualistische Gesellschaften, tingeln da auf den ersten Plätzen rum. Und jetzt fragt sich Frl. K. warum das so ist.

Hier nun meine Hobby-Forschungserkenntnisse:

Interkulturelle Hilfsbereitschaft soll u.a. abhängig sein von:

  • der Bevölkerungsdichte (je dichter die Wohnsituation desto geringer die Hilfeleistung aufgrund von Diffusion der Verantwortung, sprich: jeder denkt jemand anderes sei verantwortlich und keiner hilft)
  • ökonomische Produktivität eines Landes (je höher der Wohlstand desto geringer die Hilfeleistung)
  • Spanisch oder Portugiesisch sprechende Länder sind hilfsbereiter (Simpatia-Kultur)
  • Klima der Regionen (sehr kalt und sehr heiß aktivieren die Hilfsbereitschaft als Kompensationsmechanismus für ungünstige Klimabedingungen)
  • Religiösen Überzeugungen (z.B. Asien: Überzeugung von der Existenz von Geistern)

Frl. K. ist nicht überzeugt. Das Ganze muss dann ein Zusammenspiel von allen Faktoren sein um o.g. Grafik zu erklären.

Was meint ihr?

5 Gedanken zu „>Da frag ich mich doch…

  1. >Die Frage ist, wo die Quelle dieser Tabelle liegt.Wobei du mit deiner Überlegung zur Beliebigkeit im Rahmen von großer Bevölkerungsdichte durchaus Recht haben könntest. Ich würde gerne eine Tabelle der Wirtschaftlichen Stärke daneben halten.

  2. >Hey! Willkommen auf meinem Blog! :-)Diese Tabelle wird von der Charities Aid Foundation herausgegeben (auf Basis einer Gallup Umfrage): http://www.cafonline.org/pdf/0882A_WorldGivingReport_Interactive_070910.pdfDas nennt man den Bystander-Effekt:# Bei einer größeren Zahl von Umstehenden wird die Bereitschaft größer, die Situation nicht als Notfall einzuschätzen (pluralistische Ignoranz). # Bei einer größeren Zahl von Umstehenden kommt es zu einer Verantwortungsdiffusion: Verantwortungsteilung auf die Zahl der Zuschauer bezogen mit gleichzeitiger Abnahme der Eigenverantwortung. Es wird darauf gewartet, dass eine andere Person eingreift bzw. den ersten Schritt einer Intervention wagt.

  3. >Danke für den Link.Spannend, dass es für so was echt Fachbegriffe gibt. Im Rahmen einer Jugendmaßnahme, deren Leiter ich bin, wurde ich quasi Opfer dieses Effektes, da wir ein zu großes Team hatten und sich somit niemand/zu wenige sich verantwortlich fühlten.

  4. >als erstes: UK hat ne sehr hohe Bevölkerungsdichte, liegt aber im oberen drittel.Ausserdem scheinen die oberen Plätze doch eher Englisch dominiert?klimatisch sind die meinsten in der top ten auch eher gemaessigt (bis auf ausnahmen)und westlich orientiert. ich seh da statt einen zusammenhang eher eine widerlegung der angefuehrten Punkte. Interessant ist: warum schwerpunkt englisch?wohin wurde gespendet? (lokale oder internationale projekte)aus welchen schichten kommen die spenden? (eine fette von oben oder viele kleine von unten?ich meine wenn ein land mit sagen wir 100 einwohnern pro einwohner 1 euro spendet, haben die zwar 100% aber wenn in einem 100 leute staat nur ein einziger 1000 spendet, dann liegt das spenden aufkommen im letzten hoeher, aber dafuer ist es im ersten weiter ausgepraegt.

  5. >@ Charlotte Sometimes: Stimmt, das mit dem ENglisch ist mir gar nicht aufgefallen. Klar, man müsste viel mehr Infos bekommen um diese Grafik erklären zu können. Interessante Ansätze! Danke!🙂

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