>Tiefe

>Die Falten meiner gegenübersitzenden Mitreisenden sind tief. Fast so tief wie das Gefühl, was mich in diesem Moment überrollt, als Du vor dem Zugfenster stehst und Dich weigerst zu gehen. Der goldene, schmale Ehering ist der beiden Erkennungszeichen, sie trägt ihn am Ringfinger und er am Mittelfinger. Weit über 70 ähneln sie sich sehr, ihre Kommunikation ist ein bis auf das kleinste Detail ausgeklügeltes System. Jedes Kopfdrehen, jeder noch so unbedachte Blick spricht diese gemeinsame, wortlose Sprache, über deren Existenz sich die beiden vielleicht nicht einmal bewusst sind.
Es blitzt und donnert nicht mehr bei einer Berührung, ein Händchenhalten scheint vielmehr als spanne man einen Schirm bei einem plötzlichen Regenguss auf, als komme man nach einem langen Winterspaziergang zurück ins warme Zuhause.

Die Fensterscheibe des ICE trennt uns, ich bin auf dem Weg zurück in meine Welt. Habe Dich noch in der Nase, mein Herz schlägt noch im Gleichklang mit Deinem. Dein Blick verfolgt mich noch weit bis über das Fahrtende hinaus, dieser eine Blick, von vorhin vom Bahnhof.

2 Gedanken zu „>Tiefe

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