>Für H.P.

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Es gibt Rentner, die altern in Ruhe und Frieden. In ihrem trauten Heim weil der andere Partner noch lebt, oder im Heim weil sie sich alleine nicht mehr versorgen können. Oder aber sie beanspruchen professionelle Hilfe für Zuhause weil sie nicht mer alleine klar kommen und keine Kinder haben die sich darum kümmern könnten.

Es gibt aber auch Rentner, die sind so hilfebdürftig dass sie im Grunde genommen nicht mehr alleine leben könnten, sich aber das Recht rausnehmen sich diesezüglich auf ihre Umwelt zu verlassen.

Manche Rentner „halten“ sich sogar private „Pflegekräfte“ die sie mit attraktiven Mietangeboten oder mit Sonderbezahlung anlocken und ihnen ganz subtil, aber dennoch merklich, ein schlechtes Gewissen/Pflichtgefühl impfen. Klar, wenn man Geld bis zum Umfallen hat, kann man sich auch diesen Luxus gönnen. Ob es jedoch korrekt ist, ist die andere Frage.

1. Man nutzt anderer Menschen Gutmütigkeit nicht aus. Auch wenn man dafür eine lächerliche Kiste Wein spendiert (weil das für IHN Peanuts sind).

2. Man macht nicht einen auf „Ich bin doch ach so hilfebedürftig“ und verschwindet dann -ganz standesgemäss- in die Sommerresidenz, wo man wahrscheinlich wieder anderer Lakaien findet die einem seinem Scheiss machen.

3. Man beschäftigt/belästigt seine Angestellten Mieter nicht fast tagtäglich mit seinen Problemchen. Insbesondere dann nicht wenn diese 1) einem anstrengenden Job nachgehen 2) sowieso schon spät nach Hause kommen 3) eine gute Partnerschaft führen wollen die nicht unbedingt einschliesst dass jeden zweiten Abend eine Stunde beim „Rentner“ verbracht wird. Aus Mitgefühl. Pflichtbewusstsein. Schuldgefühl. Usw.

Versteht mich nicht falsch. Ich helfe gerne. Ich habe im Altenheim gearbeitet und alten Menschen den Hintern abgewischt. Nicht damit ich mir auf die Schultern klopfen kann, sondern weil ich es tun WOLLTE. Weil ich das Bedürfnis hatte etwas für diese Menschen zu tun die im Heim dahinvegetieren.
Ich stehe gerne in der Bahn von alleine auf wenn eine ältere Person kommt oder diese mich freundlich darum bittet. Ich mag alte Menschen. Ihre Geschichten. Ihre Lebenserfahrung.
Was ich jedoch nicht leiden kann ist diese Selbstverständlichkeit mit der manche alte Menschen gewisse Dinge ERWARTEN. Sobald ich so etwas merke, schaltet sich mein Kopf automatisch auf Reaktanz und meine Ohren auf Durchzug.
Mein Leben bleibt immer noch mein Leben und ich lass mir dies durch freche, fordernde  alte Menschen (alt zu werden ist kein Kunstzwerk. Jeder wird alt. Nichts was man Bewundern muss) nicht kaputt machen oder auch nur in irgendeiner Form beeinflussen. Nur dann wenn ich WIKLICH selbst entscheiden kann wann und wie ich helfe.
Und ja, jetzt hältst Du  mich vielleicht für die böse, kaltherzige Undankbare.
Du entscheidest.

4 Gedanken zu „>Für H.P.

  1. >Wir helfen unseren Mitmenschen gerne. Eine gute Nachbarschaft ist viel wert. Und glaube mir, es ist dem netten Rentner auch nicht recht immer um Hilfe zu bitten. und jeder von uns hat immernoch das Recht nein zu sagen. Ich finde es nicht richtig so krass über Menschen zu urteilen ohne alle Hintergründe zu kennen. Auch wir haben nicht täglich bock zu helfen aber vielleicht sind es ja mal wir die Hilfe brauchen… gruss frau nachbarin

  2. >Du vergisst die Einsamkeit und das Leben das er führt vermittelt ihm das Gefühl autark zu sein und lediglich hier und da Hilfe zu brauchen. Ja, ich finde du bist zu hart – nicht herzlos – aber, zu hart. Für mich zählt auch immer die Intention eines Menschen, glaubst du er bittet um zu stören oder, weil er tatsächlich Hilfe braucht?

  3. >Schwierig. Ich kenne viele alte Menschen, die partout nicht ins Heim möchten, weil sie ihre Unabhängigkeit nicht verlieren wollen. Der Umzug ins Heim ist für sie gleichbedeutend mit einer Entmündigung. Nur: In ihrer Wohnung sind sie eben auch nicht unabhängig, weil sie so oft fremde Hilfe in Anspruch nehmen müssen. Fakt ist: Ich würde auch nicht gerne für ständige Hilfeleistungen herangezogen werden wollen. Ich helfe gerne – freiwillig. Was vom Einkaufen mitbringen, die Taschen ungefragt nach oben tragen etc. – das ist alles kein Thema. Aber diese Angewohnheit, einem ein schlechtes Gewissen einreden zu wollen und den Märtyrer heraushängen zu lassen… auf dem Ohr bin ich taub. Und komme mir bisweilen selbst so gefühlskalt vor, dass es mich erschreckt.

  4. >@Frau Nachbarin: Dann ist das für Dich ja auch ok. Jeder so wie er mag. Ich glaube wir Menschen urteilen über viele Menschen die wir nicht wirklich kennen, so sind wir Menschen einfach. Ich schreibe hier was viele andere sich nicht trauen zu sagen (nicht Du), deshalb wirkt das vielleicht irritierend. Ich bin sicher ich tue ihm etwas Unrecht, da hast Du schon Recht, aber wenn mir erst mal der Kamm schwillt dann… dann…🙂 @Vanilla: Ich glaube er bittet schon weil er wirklich Hilfe braucht. Ich denke nur dass er wissen MUSS dass NIEMAND mit einem Privatleben zwei Abende die Woche bei ihm verbringen will. Er zögert die Hilfe-Sitzungen immer länger hinaus, schreibt ständig SMS, weiss immer Bescheid wo man gerade ist damit er einen beim Nachhausekommen abpassen kann etc. Ich finde nicht alles ist mit Geld zu regeln, manchmal ist es auch das bisschen Respekt vor des anderen Privatleben was zählt. @ Anna: Ja, tatsächlich schwierig. Ich kann ja verstehen dass man nicht ins Heim will. Echt jetzt. Aber dieser Mann könnte sich ein wirklich tolles Heim leisten! Dann machen mich auch immer wieder solche Sachen stutzig wie z.B. dass er hier keinen Schritt aus der Haustür machen kann (weil er nicht richtig laufen kann), in seiner Sommerresidenz allerdings Fahrrad fährt! Da komm ich mir doch etwas verarscht vor wenn er dann jemanden braucht der für ihn einkauft. Das sind solche kleinen Dinge die mir eben auffallen. Er redet einem kein schlechtes Gewissen ein, das muss ich ihm schon lassen. Man hat es aber trotzdem wenn er einen dann mit grossen Augen anschaut weil man gerade absagt. Das erzeugt unbewusst Druck. Ich sehe es genauso wie Du: Bei kleinen Dingen (wie von Dir aufgezählt) gerne helfen, alles andere nur ab und zu.

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