>Leben lernen

>Ich bin spiessig. Jawohl. Manchmal. Zumindest wenn es ums Fernsehen geht. Ich liebe die Dokumentationen auf Arte. Ja, Arte, richtig gehört. Einige mögen diese langweilig finden. Keine Action. Keine Effekte. Kein offensichtlicher Plot. Einfach das Leben so wie es ist. Mit all seinen lauten und vor allem leisen Tönen. Manchmal sogar einfach ohne Töne und nur mit Gesichtern und deren tausendfachen Ausdrucksmöglichkeiten die kein Schauspieler der Welt nachahmen kann.
So auch wieder in diesem tollen Film „Leben lernen“ von Doug Block (Originatitel „The kids grow up“):

17 Jahre lang hat Filmemacher Doug Block an seinem Dokumentarfilm gearbeitet. Darin erzählt er seine eigene Geschichte, die seiner Tochter und seiner Frau. Es ist eine Geschichte vom Erwachsenwerden, vom Loslassen, von Liebe und Einsamkeit, von Trauer und Neuorientierung. Seit der Geburt seiner einzigen Tochter Lucy dokumentiert Doug Block mit der Kamera ihr Leben und ihre gemeinsame Beziehung. Bis zu dem Zeitpunkt, als Lucy 17 Jahre alt ist und sich im letzten Schuljahr befindet, bevor sie aufs College in eine andere Stadt geht.
Doch nicht nur für Lucy, auch für Doug und seine Frau Marjorie steht eine Zeit des Wandels an. Es fällt ihnen schwer, ihre Tochter gehen zu lassen. Im Verlauf des Jahres erleidet Marjorie eine schwere Depression, von der sie sich nur langsam erholt. Dougs 31-jähriger Stiefsohn Josh wird zum ersten Mal Vater und macht ihn und Marjorie zu Großeltern. Dougs 88-jähriger Vater überlebt nur knapp eine Reihe von altersbedingten Erkrankungen. Die Erkenntnis, dass sie selbst alt werden und ein „leeres Nest“ hüten, macht Doug und Marjorie schwer zu schaffen.
Die Zuschauer erleben, wie aus der kleinen Lucy ein frühreifes Mädchen wird und wie sie zu einer ernsten und selbstbewussten jungen Frau heranwächst. Mit großer Wärme und Humor beobachtet die Kamera den ewigen Vater-Tochter-Konflikt zwischen Kontrolle und Unabhängigkeit. Bei Sichtung des alten Materials stellt Doug bestürzt fest, dass er häufig wie sein eigener autoritärer Vater klingt. Dabei waren seine Erziehungsziele doch ganz andere. Als Lucy auszieht, ist nicht nur sie erwachsen geworden.

Mir war bis zu diesem Film nicht wirklich bewusst was es bedeutet sein Kind als Elternteil aus dem Haus gehen zu sehen.  Für immer. Als man selbst in der Rolle des Kindes war, dachte man die Eltern sollen sich mal nicht so anstellen, haben sie doch jetzt mehr Zeit für sich etc. .  Sicherlich ist dem so, aber irgendwie scheint auch ein neuer Lebensabschnitt eingeläutet und die Eltern kämpfen ganz schön mit der Situation. Verliert man sein Kind etwas dadurch? Diese Gedankengänge hat Doug Block und es ist faszinierend ihn zu sehen wie er sich eingehend mit sich und seiner Tochter auseinandersetzt.
Sehenswert!

6 Gedanken zu „>Leben lernen

  1. >Du bist nicht allein (bei Arte *g*).Dir Doku habe ich leider nicht gesehen.Aber ich denke jetzt schon mit Horror daran, wenn Sohnemann in die Welt zieht *g*Einerseits werde ich wohl Stolz wie Oskar sein, andererseits den "Verlust" seiner Anwesenheit als sehr schmerzhaft empfinden.Und gegen diese "leere Nest"- Depression (die für viele echt kein Spaß ist!!!!) gibt es nur eines, rechtzeitig Pläne machen für "danach"!!!

  2. >@ Glücksritter: Bei Dir dauert es aber noch ein bissel mir dem Flüggewerden des Juniors, oder? Pläne hören sich prima an. Ich liebe Pläne (wenn ich sie einhalte).🙂

  3. >Die Doku hab ich gesehen und fand sie richtig interessant. Ich hab zwar noch zwei jüngere Geschwister, aber meine Mama ist ne richtige 'Glucke' und es war (und ist) ziemlich schwer für sie. Ich liiiiiebe Dokus!

  4. >@Lila: Hey und Herzlich Willkommen auf meinem Blog! Ich habe meinen Eltern das Gluckendasein schon ziemlich früh abgewöhnt weil ich früh ausgezogen bin. Dennoch bin ich noch Mamas "Baby".😉 Same old story mit den Muddis.

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