Starting off

Mein erster Embarkation Hafen war Puerto Vallarta Mexico. Ich flog über Paris und Mexico City nach Puerto Vallarta wo ich eine Nacht in einem Hotel übernachtete und am nächsten Morgen an Bord gehen sollte. Allein der Flug über Mexico City hatte etwas Magisches. So eine RIESEN-RIESEN Stadt! Genau wie auf der Postkarte sah es von oben aus. Überall nur Lichter. Und es hörte nicht auf. Lichter bis zum Horizont. Einfach nur Wahnsinn.

Am nächsten Morgen erwachte ich viel zu früh und setzte mich nach dem Frühstück an den Strand um „MEIN“ Schiff beim Einlaufen zu sehen. Mit Jet-Lag in de Knochen war dieser Augenblick noch surrealer als er eigentlich schon war… Ich sollte auf dieses Schiff. Ich. Mhm. Nun gut. Dann wollnwer mal, ne?!😉

Und tatsächlich, da kam die Mariner. Schneeweiß zuerst als kleiner Punkt… und je näher sie kam, desto aufgeregter wurde ich…

Dies war die geplante Reiseroute:

Diese Abbildung stammte noch aus einem alten Prospekt, nicht alle Häfen sind korrekt. Aber für einen Eindruck genügt es.

Mein neuer Arbeitsplatz:

Suite

Das Onboard-Theater

The Open-Deck

Es war uns Crew Mitglieder nicht erlaubt uns in privater Kleidung auf den öffentlichen Decks (also die Decks für die Gäste) zu bewegen. Da es aber auf dem Open Deck einen genialen Jogging-Track gab, habe ich mich eben verkleidet (Base-Cap, Sonnenbrille) und bin trotzdem joggen gegangen wenn ich ein paar Stunden frei hatte. Ich habe es nie jemandem erzählt und es hat nie jemand gemerkt. Fantastisch war das sage ich Euch. Mitten auf dem Meer zu joggen. Mit Musik im Ohr, der Sonne im Gesicht und ungestört ein paar Minuten nur für sich allein zu sein (ein Privileg auf dem Schiff).

Ich lebte zu zweit in einer 7m² Kabine mit Bullauge (Bullauge war ein Zeichen der „besseren“ Jobs. Die meisten Crew Mitglieder waren komplett unter der Tide) mit einem Mini-Bad in dem alles aus Plastik war. Im Doppelstockbett schlief ich immer oben, obwohl es mich einmal nach einer feucht fröhlichen Nacht von der Leiter gehauen hat. Meine damalige Mitbewohnerin schreckte hoch weil wie sie sagte „ein nasser Sack an ihr vorbei fiel“.🙂

Schlafen auf einem Schiff ist übrigens das Beste ever. Man wird schön langsam hin und her gewiegt und schlummert wie ein Baby. Nach meinem Schiffsjahr hatte ich noch oft in meinem Bett zu Hause das Bewegungsgefühl des Schiffes und sogar noch heute gibt es seltene Abende an denen ich mit diesem Gefühl einschlafe. Das vergisst man einfach nicht.

Apropos Bewegungen: In meiner gesamten Schiffszeit wurde ich nie seekrank. Obwohl es wirklich oft gut schaukelte hielt ich mich wacker während unsere Gäste immer wieder zu uns an die Rezeption kamen und Anti-Seekrank-Tabletten verlangten (die hatten wir immer „in stock“). Das einzige Mal wo mir speiübel war, war mein Ausflug mit einem Hochsee-Fischerbot. Aber dazu später mehr.

Für die Crew gab es an Bord eine „Crew Mess“ (Kantine mit kleinem Aufenthaltsraum, Kicker etc.), eine Crew-Bar (mein Lieblingsort), einen Computer-Raum mit kleiner Bibliothek, einen Fitnessraum (wir durften u.a. das Fitnessstudio der Gäste ab 21 Uhr benutzen), einen kleinen Shop (mit allem was man so brauchte: Knabberzeugs, Strumpfhosen, Tampons, Duschgel, Deo, Zeitschriften, DVDs etc.), eine tägliche „Abholstunde“ im Getränkelager und ein Open-Crew-Deck (am Bug).

Es wurden außerdem vom HR in einigen wenigen Häfen Crew-Touren angeboten (in Anlehnung an die Touren der Gäste, allerdings für uns kostenlos). Die Plätze waren aber hart umkämpft, so war ich froh dass wir Rezeptions Mitarbeiter die Möglichkeit hatten als offizielle Begleiter bei den Gäste-Touren dabei zu sein. So war man zwar „im Dienst“ und wurde mit nervigen Fragen belästigt, aber immerhin war man auch mal für ein paar Stunden „crew-frei“ was auch nicht übel war.

Rezeptionsmitarbeiter hatten außerdem die Freiheit uns gegen einen Antrag beim Vorgesetzten für ein paar Stunden in Dienstkleidung in den Gästebereichen aufzuhalten und z.B. auch an einer der Bars etwas zu trinken, uns Shows anzuschauen etc.

Mit einem Crew-Rabatt war es uns außerdem möglich Spa-Anwendungen zu buchen (hab ich öfters gemacht :-D) oder onboard zum Friseur zu gehen.

Einmal die Woche gab es einen „Crew-Drill“ (Notfall Übung) bei der wir alle unsere Schwimmwesten anziehen mussten und jeder eine Aufgabe hatte. Meine Aufgabe war es, nachdem sich alle Crew Member auf ihrer Station verteilt hatten, diese auf Vollständigkeit zu prüfen. Also stand ich da mit meiner Liste und versuchte die ganzen Philippinischen Namen korrekt auszusprechen während mich die kleinen asiatischen Jungs vor mir angeierten (zur Erhöhung des Coolness-Faktors zählte die Begattung eines „weißen“ Crew-Mitglieds unter den Philippinos als „Must do“. Leider waren sie damit nicht nur bei mir null komma null erfolgreich…. Na ja, bis auf eine. Sie hatte aber leider berechtigterweise unter ihresgleichen wenig Auswahl, deshalb hatte sie dann auch ihren Namen als „Philippino-Queen“ weg).

Einen Passanger Drill gab es auch zu Beginn jeder Cruise-Etappe. Das war wesentlich lustiger. Amerikanische Kreuzfahrtschiffgäste sind einfach selten dämlich und es war ein Mords Spaß denen beim hektischen Rumrennen zuzuschauen und auf ihre blöden Fragen blöd zu antworten.

Zum Ende jeder Cruise Etappe gab es die unter Crew-Kreisen verhasste „Monkey-Show“. Man darf sich das ruhig wie auf dem Traumschiff vorstellen. Die Passagiere (übrigens auf dem Schiff als PAX abgekürzt), die am nächsten Tag von Bord gingen, versammelten sich im Theater. Der Captain sagt ein paar Worte zur Cruise, wir als Crew standen blöd hinter ihm rum, dann sagen wir das Cruise Lied und zum Schluss mussten wir in die Menge winken. Einzig und allein die Wunderkerzen haben gefehlt.🙂

In der Regel waren wir einen Tag im Hafen, zwei Tage auf See. Je nach Stadt liefen wir in den Hafen ein oder ankerten etwas außerhalb wo wir dann mit kleinen Booten (nach den Gästen!) an Land gebracht wurden. Die Seetage waren für uns immer die anstrengendsten. Auf See ist allen Passagieren langweilig und sie haben Zeit der Crew auf die Nerven zu gehen. Die dümmsten besten Passagier-Kommentare/Fragen haben wir in einem kleinen Buch verewigt in das wir immer mal wieder reinschauten um uns zu erheitern.

Einige kleine Auszüge:

1. Oppa steht vor dem Aufzug und zeigt mit dem Finger in die Höhe: „Excuse me M´am, does this elevator only go up?“

 

2. Herausgeputztes Paar taucht an der Rezeption auf: „As we read in our Cruise Brochure tonight is a formal night (clothes). Does this also apply in our cabin?“

 

3. Anruf aus einer Kabine, aufgeregte Frau am Apparat: „Oh my gosh, I can see the terrorists coming onboard! They are in a little boat on starboardside!!“ …. „Ähem, no M`am. This is the pilot. The pilots are coming onboard to direct us through narrow passages. No need to worry. No terrorists. Everything´s fine.“

 

4. Betagte Lady starrt auf unsere Pflanzen im Atrium: „Is this Mariuhana? What I mean is … can you smoke this shit?“

 

5. Interessierter Opa an der Rezeption: „Do you guys live on the ship?“ …. „No Sir, there´s a helicopter taking us back home every night.“

 

Wie gesagt, eine KLEINE Auswahl aus den Hirnwindungen unserer Gäste.

So, für heute denke ich reicht es erst einmal mit Cruise Geschichten. Solltet ihr Fragen haben, nur zu. Ich habe bestimmt so einiges vergessen und freue mich Fragen zu beantworten.

 

20 Gedanken zu „Starting off

  1. Danke für den interessanten Einblick. Irgendwie schon was anderes wenn man eine solche Dokumentation aus der Nähe sieht.

    Ich frage mich nur was passiert wäre wenn die interessierte Passagierin den terroristischen Lotsen selbst hätte Dingfest machen wollen…🙂

    • Ja, es ist alles ein bisschen „anders“ auf einem Schiff. Eine eigene kleine Welt. Aber für eine gewissen Zeit ist das eine schöne Welt und manchmal will man auch wieder zurück. Aber nur für kurz ;- )
      Zur Passagierin: Stell mir gerade vor wie sie mit der Bratpfanne auf ihn lauert.😀

  2. Ha, das ist ja mal wieder ein spannendes Thema! Ach ja… und herzlichen Dank. Nun hab ich Fernweh. Aber richtig.😉

    Ich finde diese Kreuzfahrtschiffe faszinierend und stehe immer wie ein kleines Kind, also staunend und mit offenem Mund davor… wenn ich denn mal die seltene Gelegenheit habe, so ein Ding zu sehen. Die lächerlichen Flusskreuzfahrtschiffe, die bei uns verkehren, laufen eher unter der Rubrik „Nussschale“.😛 So einen Maschinenraum würde ich mir gerne mal ansehen, am liebsten den von der Queen Mary 2 oder einem ähnlichen Kaliber. Und überhaupt mal miterleben, wie so ein Koloss eigentlich entsteht.

    Vor allem verneige ich jedoch ehrfurchtsvoll mein Haupt, vor dem, was Sie da geleistet haben, Frl. K.😉 Stelle ich mir das als Arbeitsplatz zwar einerseits wirklich faszinierend vor, aber andererseits eben auch extrem schwierig. Besonders dann, wenn man gerne mal alleine ist und nicht ständig Menschen (Kollegen/Passagiere) um sich haben möchte – oder haben kann. Da bleibt von dem Freiheitsgefühl, das man mit solchen Schiffen assoziiert, gar nichts mehr übrig und wenn ich dann noch an die Kabinen ohne Bullauge denke… gruselig.😳

    • Was viel eindrücklicher ist als der Maschinenraum ist die Müllanlage! Also das ist mal interessant. Na ja, gut, ein bisschen müffeln tut es auch… Oder die Wäscherei. Wahnsinn sag ich Ihnen! So riesig und an alle Eventualitäten gedacht. Da kann jede Großwäscherei an Land mithalten!
      Kabine ohne Bullauge wäre auch für mich schwierig geworden muss ich sagen. Ansonsten gewöhnt man sich an alles. Auch an das jeden Tag arbeiten. Davor hatte ich zu Beginn etwas Bammel weil ich mir nicht vorstellen konnte 6 Monate durchzuarbeiten. Aber das ging auch ganz schnell weg, weil ja a) jeder auf dem Schiff 7 Tage die Woche arbeitet und es b) einfach keine andere Option gibt. Das bemerkt man irgendwann gar nicht mehr und man fragt sich welcher Wochentag nun wohl ist. Alleine ist man eigentlich nur wenn man in der Kabine ist und er andere Zimmergenosse gerade arbeitet. Das kommt nicht allzu häufig vor, aber immerhin so alle 2-3 Tage. Also auch machbar. Und schön dass Sie Fernweh haben! Vielleicht geht der nächste Urlaub ja mal auf eine Cruise??😉 Es ist wirklich eine tolle Art zu reisen und längst nicht nur was für ältere Leute. Irgendwann, werde ich auch als Passagier um die Welt schippern. Ganz bestimmt.

  3. Als Passagier auf einem Kreuzfahrtschiff zu sein könnte ich mir nicht vorstellen, aber als Crew schon.. finde ich spannend, die Welt so zu sehen und auch noch Geld damit verdienen zu können. Danke für die tollen Bilder – und ich hab sehr gelacht! Gibts noch mehr „blöde Fragen“?

  4. (aufpassen! hirnrissig!) das macht lust auf meer !

    spannend… so eine kreuzfahrt ist schon einer meiner reisewünsche, seit ich klein bin… ist halt nur so teuer, dass man wohl weiße haare hat, bevor man´s zusammen gespart hat…

    wäre ich mal auf die idee gekommen, dort zu arbeiten… hm… naja, genommen hätte ich mich wohl nicht… und ich brauch‘ ja auch ab und an ruhe… da weiß ich nicht, ob die wenigen gelegenheiten gereicht hätten…

    ich freu mich auf die fortsetzungen!

    • Mittlerweile ist eine Kreuzfahrt nicht mehr sooooo teuer. Also wenn man sich einen Urlaub in die Karibik leisten kann, kann man sich auch eine Mittelmeerkreuzfahrt leisten. Und das ist doch schon mal was. Ja, irgendwie habe ich wenig Menschen kennengelernt die auf Schiffen gearbeitet haben, ist wohl nicht der beliebteste Job.😉

  5. Interessant, das aus Deiner Sicht zu lesen. Ich kenne das als Passagier und habe die armen Crewmitglieder um ihre rund-um-die-Uhr-Jobs nicht beneidet. Ich bewundere den Abenteuergeist und die Energie (weniger die wohl auch verbreitete Verzweiflung), die man wohl braucht, um diesen Job machen zu können.

    Ich bin mir relativ sicher, dass ich eine solche Kreuzfahrt nicht s mehr für mich sein würde. Bei mir lief einfach zu viel falsch (falsche Begleitung, falsches Schiff, zu hohe Erwartungen usw.). Die Seetage, auf die ich mich im Vorwege gefreut hatte, waren auch für mich der Horror. Ich habe mich gefühlt, wie in einem schwimmenden Käfig. Aber jeder Jeck ist anders und es gibt ja so unendlich viele Menschen, die das wieder und wieder tun.

    Die Orte, die Ihr angelaufen habt, sind natürlich auch etwas ganz Besonderes. Und es ist schön, dass Du Deine ganz besonderen Erinnerungen hier aufleben lässt.

    LG vom Roksopp

    • Ja, vielleicht solltest Du es noch einmal mit einer Kreuzfahrt versuchen bei der man täglich im Hafen ist. Mittelmeer wäre auch hier eine gute Idee. Aber klar, ich kann verstehen wenn das nix für einen ist. Man muss schon irgendwie fasziniert sein. Zum Arbeiten sowie zum Reisen auf dem Schiff.
      Verzweiflung habe ich unter meinen Kollegen nie erlebt. Heimweh, ja. Aber ansonsten ist dieser Zeitraum ja absehbar und ein halbes Jahr ist gut zu überbrücken. Aber wie ich im Post auch schon angedeutet hatte, für viel länger wäre das auch für mich nix. Alle Mitarbeiter die länger auf dem Schiff waren, waren irgendwie durchgeknallt. Aber das muss man dann wohl auch sein um in dieser eigenen Welt bestehen zu können.🙂 LG

    • Ich weiß ich weiß dass ihr nächstes Jahr aufs Meer hinausschippert.🙂 Ich hatte Euch doch noch den Tipp mit der Arosa Blue genannt. Ich denke Du kannst Dich ganz doll drauf freuen! Wenn man weiß was einen ungefähr erwartet dann wird das meistens gut!

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