4 Stunden im Vorhof der Hölle

„Elefant im Porzellanladen“ denke ich während ich da so auf den eleganten braunen Lederrücksitzen des 1er BMWs sitze und auf ihre Haare starre. Blond sind sie. Genau so wie ich sie haben möchte. Und wie die glänzen! Unglaublich. Und der Schnitt ist auch perfekt. Wahrscheinlich musste sie nicht einmal stylen, sondern die fallen einfach ganz natürlich so. Sie sitzt im Beifahrersitz, neben ihrer drei Jahre jüngeren Schwester die fährt. Ihre ultralangen Beine sehen nicht mal im Sitzen dick aus und ihre Knie sind schön kantig ohne dabei spitz zu wirken. Ich starre über meinen dicken Bauch, der gerade heute in einen unheimlich auftragenden (aber supi bequemen) Wollpulli gehüllt ist, hinab auf meinen abgeplätterten Nagellack am Daumen. Mist, hätte ich auch noch machen können, aber ich hatte wieder mal keine Zeit mehr. „Und J., was studierst Du?“ brülle ich etwas zu laut durch die Wand aus Musik hindurch worauf sie ihren blonden Schopf leicht schräg nach hinten wirft und ohne mich anzuschauen sagt: „Grundschullehramt. Mathe, Deutsch, Bio!“. Stille. Ich mustere sie weiter, bemerke ihre Perlen-Ohrstecker, ihr zusammengeknüllter Burberry Schal in der braunen Longchamp Tasche während sie sich eine Ditsch Pizza auspackt und genüsslich in die Margherita beisst. Verdammt, selbst die Krümel in ihrem faltenfreien Mundwinkel sehen sexy aus. Und wieso hab ich eigentlich noch nie so ein Teil gegessen? Weil ich Pizza immer als besondere Mahlzeit ansehe und man sich ja schliesslich mit den Kalorien etwas im Zaum halten muss? Ok, aber warum verdammt sehe ich dann nicht auch so aus wie sie? Ein Haar hat sich aus ihrer Kopfhaut gelöst und liegt jetzt, für mich völlig verstörend, auf ihrem Oberarm herum. Am Liebsten will ich es sofort wegnehmen, es passt einfach nicht ins Bild. Ich lasse es liegen.

Aus einem Telefonat, mit irgend jemandem der das Glück hat mit diesen Schwestern befreundet zu sein, erfahre ich dass das Pferd doch heute bitte im Stall gelassen werden soll. Schliesslich muss es bis zum Turnier am Mittwoch wieder fit sein. „Das Pferd gehört meiner Schwester und mir. Ich reite Dressur und J. (ja, ihre beiden Namen beginnen tatsächlich mit demselben Buchstaben und hören sich auch noch ähnlich an) reitet Springen. Das ergänzt sich perfekt!“ erzählt sie mir und strahlt mich mit ihren blauen Augen an. Ich schweife zurück in meine Reiterzeit. Ich war nur ein einziges Mal in meinem Leben auf einer Reiterprüfung. Ansonsten fand ich es immer irgendwie schöner mit dem Pferd in die Natur zu gehen und draufloszureiten. Aber auch weil ich vielleicht wusste dass ich es mit einem Schulpferd nie allzu weit hätte bringen können. Für erfolgreiche Turnierteilnahmen braucht man schon ein eigenes Pferdchen. Ich sinke noch tiefer in den Rücksitz und schaue mittlerweile in die vorbeifliegende Landschaft.

Auf dem Rastplatz muss ich mich vor zwei perfekten Augenpaaren aus dem Rücksitz schälen (1er BMW, Zweitürer is klar, ne?!). Das ist gar nicht so einfach mit eingezogenem Bauch! „Wir gehen ins Restaurant!“ trällert mir J. zu und ich trotte mit meinen gefälschten Ugg-Boots (wer will schon 200 Euro für hässliche Schuhe ausgeben) hinterher. J. trägt braune Nappalederstiefel mit Schnürung vorne, dazu einen glänzenden, knielangen Daunenmantel. Ich beobachte sie heimlich was sie sich auf den Teller macht – grüner Salat und Nudelsalat (HALLO Kohlenhydrate!!??!!) – bis ich mich dagegen entscheide mich mit an den Tisch zu setzen. Ich rauche lieber eine draussen. Rauchen. Auch so ein Ding. Während ich vor dem Restaurant auf und ab schwadroniere und den Rauch inhaliere denke ich an die Worte von J. vorhin im Auto: „Ich hatte letztes Jahr eine Lungenembolie und die Ärzte wissen nicht woher das kam! Ich bin schliesslich kein Raucher (check), bin nicht bewegungsfaul (check) und esse nicht ungesund (check)!“… Unmotiviert versuche ich meine Zehen in den Ugg-Fakes zu bewegen. Lungen Embolie. Das wärs ja noch.

Zurück im Auto schäme ich mich für den Zigarettengestank den ich den beiden ins Nichtraucherauto bringe und fühle mich noch schlechter. Na klar, und Kaugummis hab ich auch nicht dabei, die sind nämlich in der anderen Tasche die ich nicht mitgenommen habe weil der Cowboy und ich ein Gammel-Wochenende machen wollen. So viel zum Thema Bewegen. „Und sonst so, habt ihr neben dem Studium noch Nebenjobs?“ frage ich mittlerweile ziemlich kleinlaut von hinten. Und ich bekomme den nächsten Ego-Dämpfer als sie sagt – war ja klar – :“Ach, nee, eigentlich nicht. Nur ab und zu mal ein paar Modeljobs.“. Achso. Nee. Is klar. Logisch. Hätt ich mir auch direkt denken können. „Und ihr habt nicht zufällig auch noch Hunde?“ will ich dann eher scherzhaft noch wissen als J. cool nickt und sagt: „Doch, haben wir. Zwei Australian Shepards! Sie sind toll!“  Headshot.

Die Schwester J. erzählen mir ausserdem dass sie noch zuhause wohnen (sie sind 21 und 24 Jahre alt). Klar, macht auch Sinn. Denn ihre Eltern sind selbstverständlich NICHT getrennt. In der Nachrecherche per Facebook etc. erfahre ich dass der Vater ein eigenes Architektenbüro hat und die Mutter Arzthelferin ist. Beide gutaussehend. Die Mutter besitzt auch ein Pferd. Vielleicht betrügt der Vater die Mutter, wer weiss das schon, schliesslich ist bei niemandem alles toll. Aber so lange der Vater genug Geld nach Hause bringt wird sich Mutter J. auch damit abfinden können. Wahrscheinlich macht sie auch einmal im Jahr eine Reise alleine in die Dom. Rep.. Und wenn diese Ehe wirklich Schwierigkeiten haben sollte, dann haben die Schwestern J. und J. davon nichts mitbekommen. Immerhin waren und sind sie immer viel im Stall. Mit Reiterhosen aus der neuen Cavallo Kollektion versteht sich. Wahrscheinlich wohnen sie alle zusammen in einem ziemlich massiven Einfamilienhaus (gebaut schätzungsweise 1995) mit einer geräumigen Doppelgarage und einem grossen Garten. Mutter J. liebt Blumen und ihren Kleingarten. Da weiss man wenigstens was auf den Tisch kommt. Wenn möglich wird bestimmt immer zusammen Abend gegessen und auch Sonntags gibt es ein gemeinsames traditionelles Familienmittagessen mit Petersilien-Salzkartoffeln in grossen Schüsseln. Die Teller von J. und J. sind natürlich nie ganz aufgegessen. „Puh, was bin ich voll!“ werden sie um die Wette stöhnen.

J. hat gesagt sie nehme Biotin damit ihre Haare so schön werden. Als ich in Bern ankam bin ich sofort in die Apotheke gehetzt und wollte mir welches besorgen. Die Drei Monats Packung kostet 90 Franken (Ein Monat bringe nichts meinte der Apotheker). Ich habe keins gekauft. So viel ist mir die Perfektion dann doch nicht wert.

Frl. K.

Und noch mal im Schnelldurchlauf:

dies ist nur irgendein Foto damit ihr ungefähr wisst wie J. aussah

PS 1: Am Montag darf ich noch mal mit J. und J. mitfahren.

PS 2: Ich meine bemerkt zu haben dass J. dicke Fesseln hat. Also da sind meine eindeutig schlanker.

 

 

 

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Meine Mitbewohnerin

Darf ich vorstellen? Das ist Emily.

Emily schaut mir bei allem zu was ich mache. Emily heißt wahrscheinlich gar nicht Emily. Emily ist tot.

Sie wurde von einem Künstler von einem Grabstein abfotografiert und darf jetzt mit mir weiterleben.

 

 

>Zeitzeugnis

>Heute habe ich einen interessanten Fund in einem meiner Uralt-Statistik-Bücher gemacht (uuups… da zeigt sich wie lange ich da nicht mehr reingeschaut habe). Anyway, nun zur story:

Ich hatte einmal eine Freundin.
Ihr Leben bestand aus Louis Vuitton Taschen, Bulimie, Juist Urlauben und Kochrezepten für gesunde Hundeernährung (BARF falls das jemandem etwas sagt).
Sie war aus guten Elternhaus und hatte sich kürzlich gewinnbringend weiterverheiratet (man will sich ja nicht verschlechtern).
Leider stellte sich heraus dass der Göttergatte ein Riesenmanko hatte: Er war kein guter Liebhaber.
Warum sie das nicht vor der (sowieso überstürzten) Hochzeit ins Lot gebracht hat ist mir heute noch ein Rätsel. Jedenfalls dachte sie sich eines Tages dass er es wahrscheinlich nie schaffen könne sie zufriedenzustellen und meldete sich in einem Casual-Sex-Internet-Portal an. Dort lernte sie (ebenfalls liierte) Männer kennen und traf sich mit diesen auf Gewerbegebietsparklätzen, Stundenhotels etc.
So richtig Absturz eben. Wenn man schon so kaputt ist wie sie dann kommt es auf die Feinheiten auch nicht mehr an.
Jedenfalls setzte sie nach einigen Situationen, die sich dann doch nicht so entwickelten wie sie sich das vorgestellt hatte, irgendwann ein „Manifest“ auf das die Regeln für sie enthielt und versteckte es eben genau in diesem meinen Statistik-Buch.

Klick und es wird groß
Irgendwann konnte ich mir dann nicht mehr mit ansehen wie sie ihren (echt tollen) Mann rücksichtslos betrog. Ich hatte es satt ihr ständig ein Alibi zu sein und ihn dadurch irgendwie ein Stückchen mitzuverarschen. Ich war kurz davor ihm die Wahrheit zu sagen, habe mich aber dann doch dagegen entschieden weil ich der Meinung war dass er es sowieso schon irgendwie wissen musste. So offensichtlich und dreist waren ihre Eskapaden.
Heute lebt sie mit Mr. Ehemann in einer anderen Stadt. Ich weiß nicht wie der jetzige Stand ist, ob das Spiel dort weiterging oder nicht. Anzunehmen wäre es. 
Irgendwie ein wirklich trauriges Stück Papier, das die Zerstörung einer Beziehung und die Persönlichkeitsstörung einer jungen Frau dokumentiert.

>Uni freut sich!?

>Aha.
Es soll jetzt also auch an meiner Uni „modern“ werden und wir Studis bekommen zum Wintersemester einen Karten-Studi-Ausweis (statt bisher ein kleines Blatt Papier).
Man muss online ein Foto hochladen. Was mir sofort in den Sinn kam war: Was wäre wenn ich soetwas hochladen würde??? :

>Spontanheilung

>Muttern fährt mich nach Hause.
Nach ein paar Minuten wird mir schlecht.
Ich merke warum.: Männerparfum!

Frl. K.: „Sag  mal Mama, welchen italienischen metrosexuellen Mafiosi haste denn im Auto mitgenommen? Das stinkt hier als hätte der sein penetrantes Haargel an die Kopfpolster geschmiert!“

Mama K.: „Keinen!! Also wirklich! Vielleicht ist es das Ding hier!“ und zeigt auf ein wackelndes Pappdeckelchen am Rückspiegel. „Das hab ich geschenkt bekommen und wusste nich wohin damit!“

Frl.K.: „Wie wärs mit Wegschmeißen??“

Bei genauerem Hinsehen allerdings hatte ich durchaus Verständnis für meine arme Single-Mama. DAS leckere Schnittschen hätt ich mir auch aufgehängt. Und plötzlich war mir auch nich mehr schlecht. Tja, so kanns gehen.

>My dear fellow men

>For the record:

  • I am nice. If you are nice to me.  
  • Don´t dig at me. I get it anyway. Even if you say it in a „funny“ way. 
  • Don´t try  to backbite with me about people I don´t even know yet. Not interesting at all. 
  • Look at my face or into my eyes when you talk to me. Everything else is simply impolite.
  • If you are jealous, don´t show it. It makes you look yet immature. 
  • I look like me. On pictures, movies or in reality. Face it. 
  • Do I look like I give a damn about how it is gonna be in 10, 15 or 20 years?
    • Leave me alone with your forecast. If you are unhappy, change it. 
  • I have a clear position on some subjects, no matter what you did in the past, I tough it out. 
  • I prefer people I can actually speak to. In a real, authentic and genuine way. If this is a too tall order for you, you should possibly get used to the fact that I can´t take you seriously anymore. 
  • If you still want to be friends, fine, so do I. But just make the effort to get to know me a little bit better before being bitchy. 

 Exclamation point.

>Nervenzusammenbruch a la Prinzessin…

>Hilfeeeee!! Ich habe nichts zum Anziehen!!

Viel zu viel im Schrank. Nichts passt zueinander. Das eine Kleid zu sexy, das andere zu konservativ, was ohne Ausschnitt für Meeting Cowboys Mama, das was gehen würde passt nicht zu Stiefeln (die neuen, von Mama K. gesponsert, sonst heißt es gleich wieder: „Wenn Du sie nicht trägst, warum hast Du sie dann gekauft?“), was trägt man auf einer 3,5 stündigen Autofahrt (Wenn man beim Aussteigen gleich begutachtet wird)? Hier fehlt mir eine dunkelblaue Strumpfhose, dort ein beiger Rock, der weiße und graue Rock sind mir mittlerweile zu groß,  sehen Oma-mäßig aus. Sportsachen mitnehmen? Gammelklamotten für den nichtoffiziellen Teil. Auffälliger oder dezenter Schmuck?

UND DAS ALLES IN EINE KLEINE TASCHE!!!

Ich brauch nen Drink.
Aber ich liebe es Frau zu sein. Either way.

(I wish)