Wieso hört und liest man eigentlich immer dass sie Schweizer so bescheiden sind? Diese Erfahrung habe ich in dem einen Jahr Schweiz-Erkundung eindeutig nicht gemacht.

Ganz im Gegenteil. Die Schweizer sind eigentlich so ziemlich auf alles stolz was sie in ihrem Land produzieren. Angefangen vom Joghurt bis zu einzelnen Persönlichkeiten.

Ein Fernsehabend mit dem Cowboy erinnert manchmal an eine Dauerwerbesendung bei dem Kommunikationen wie folgt stattfinden:

Frl. K.: „Cooles Lied!“

Cowboy: „Ist ja auch von einem Schweizer DJ! Das ist DER Top DJ gerade!“

Manchmal erinnert mich das Ganze sehr an diese Szene:

Nach einem auch nur kurzen Aufenthalt in der Schweiz ist man bestens informiert welche international tätigen Firmen ihren Hauptsitz in der Schweiz haben, weiß genau auf welchem Breiten- und Längengrad sich hiesige Schweizer Banken niedergelassen haben, murmelt bei jedem Song im Radio automatisiert den Namen des Radiomoderators (Kanton-Unabhängig!): „Ah! Die Judith Wernli!“ und kann die Schweizer Models die es bis auf ein paar wacklige Catwalks dieser Welt geschafft haben im Traum runterbeten.

Das ganze Misswahlen-Gedöns ist sowieso eine Sache für sich in der Schweiz. Da weiß JEDER welche Madame in welchem Jahr welchen Platz belegt hat. Nach Körbchengrößen habe ich noch nicht gefragt, aber das weiß sicher auch der ein oder andere. In Deutschland ist es für einen Mann nur OK sich  Miss-Wahlen reinzuziehen wenn er a) schwul b) notgeil oder c) in dieser Branche tätig ist. In der Schweiz gehört das zum guten Ton, man muss ja im Büro am Montag mitreden können. Verpasst man das Medienevent berichtet notfalls  20Min darüber.

So. Ich geh jetzt mal meinen Appenzeller Käse in NESTLÉ Joghurt dippen.

PS: An alle Deutschen: Miss Germany ist Anne-Kathrin Kosch . Die kommt zwar nicht aus Sachsen (in eigener Sache: DA WO DIE SCHÖNEN MÄDCHEN WACHSEN), aber immerhin aus Thüringen. Da ist wohl etwas Schönheit ins Nachbarbundesland geschwappt.

 

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Neulich in der Milchbar in Bern mit Schweizerischer Ureinwohnerischer (netter!!) Begleitung.

Frl. K.: „Ich hätte gerne einen koffeinfreien Kaffee bitte!“

Kellner: *überlegt* „Mhm, ich glaube das haben wir nicht.“

Frl. K.: „Oh doch, das habt ihr, das habe ich hier kürzlich schon getrunken.“

Kellner: *überlegt weiter, wird langsam verlegen*

Frl. K.´s Begleitung: „Sie haben doch Kaffee Hag oder?“

Kellner: „Ach, Kaffee Hag! Ja, das haben wir!“

 

Grmpf…

Merke: Kaffee Hag ist in der Schweiz ein Eigenname. So wie hier Tempo. Oder Uhu. Sagt ja auch niemand: Gib mir bitte mal ein Zellstofftaschentuch!

Unabhängig davon hätte es beim Kellner allerdingsmit ein bisschen Denkanstrengung auch zur Erleuchtung führen müssen. Aber ok, es sei ihm verziehen. Es war höllisch viel los an diesem schönen Mittag.

Also ich war ja kürzlich auf dem GurtenFestival in Bern wie ihr wisst. Dort wurde ich ziemlich ungläubig angeschaut, als ich erzählte noch nie auf einem Festival gewesen zu sein. Ich begründete dies damit, dass ich einfach nie in einem Freundeskreis war, wo Festivals ein Thema waren, und es mir für mich alleine eigentlich reicht eine CD in der heimischen Stereoanlage laut aufzudrehen und mitzuhüpfen. Oder eben mich Samstagsabends in die altbewährte Diskothek zu bewegen (Note: Ich benutze voll altmodische Wörter wie Stereoanlage und Disko!).Dann kam mir der Gedanke dass das vielleicht nicht nur eine Umfeld-Korrelation ist – sollte die Schweiz da vielleicht mal wieder anders ticken als Deutschland?

Also machte ich mich auf in die weite Welts des Webs und recherchierte (Orr, Diplomarbeit Du bist ja auch bald dran, nerv jetzt nich):

Bekanntlich bestimmt ja das Angebot die Nachfrage, also wollte ich wissen wie viele Festivals es in Deutschland im Vergleich zur Schweiz gibt.

Ergebnis:

ca. 350 in Deutschland

ca. 305 in der Schweiz

Ein erstaunliches Ergebnis wie ich finde, bedenkt man die Einwohnerzahlen von 81,772 Mio vs. 7’785’806 Mio.

Was bedeuten nun diese Zahlen?

Sind die Eidgenossen einfach nur musikbegeisterter als die Deutschen? Oder ist dies eine Gelegenheit für die sonst so konservativen Schweizer mal die Sau rauszulassen und den arbeitsreichen Alltag zu vergessen?

Vielleicht ist es eine Kombination aus beidem. Fest steht, das insbesondere die Berner schon ganz ganz früh angefangen haben damit:

Festspiele Bern 1891

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Diesmal habe ich für alle Interessierten einen unltimativen TV- Tipp! Gruezi Deutschland ist eine neue Reportage des SF1 bei dem Frank Baumann auf große Deutschland-Reise geht. Zitat von 3Sat:

Eigentlich wäre es ganz einfach: Deutsche und Schweizer schreiben dasselbe ABC, sind beide gründlich und pünktlich. Sie verbindet Friedrich Schillers „Wilhelm Tell“, die Freude am runden Leder, der Bodensee, die Alpen und der Rhein.
Und doch sind den Schweizern die deutschen Nachbarn so fremd, als kämen sie von einem anderen Stern. Die Schweizer wundern sich über den preußischen Umgangston der deutschen Chefin und sind besorgt, ob der ostfriesische Assistenzarzt die Klagen über Bobos und Bräschtelis auch wirklich verstanden hat. Kurz und gut: Schweizer und Deutsche sind einfach verschieden. Es liegt kaum am Klima oder an der unterschiedlichen Frühstückskultur – aber woran dann?
„Was gibt es Spannenderes, als diese Exoten kennenzulernen?“, fragt der Schweizer Moderator Frank Baumann und geht auf Expedition durch den großen Kanton – kreuz und quer, von unten nach oben, von hinten nach vorne. In seiner dabei entstandenen fünfteiligen Deutschland-Expedition „Grüezi Deutschland“ sucht er Antworten auf die Fragen, wie Deutschland tickt und warum immer mehr Deutsche in der Schweiz eine neue Heimat suchen. In der ersten von fünf Folgen trifft Frank Baumann Campino, den Sänger der Band „Die Toten Hosen“ in Düsseldorf. Unter anderem erzählt Campino, warum er im Zorn nie wieder gegen Mülltonnen tritt und es ihm unheimlich ist, wenn er vom Bürgermeister gegrüßt wird. Er zeigt Frank Baumann den originellsten Grillwurststand der Stadt – den Liverpool Grill – und wirft mit dem ehemaligen Außenminister und „Architekten der deutschen Einheit“, Hans-Dietrich Genscher, in Bonn einen Blick zurück und einen in die Zukunft von Deutschland
Die zweite Folge der fünfteiligen Reihe „Grüezi Deutschland“ zeigt 3sat am Montag, 13. Juni, die weiteren drei Teile an den darauffolgenden Sonntagen, immer um 19.10 Uhr.

Ich habe beide Sendungen bereits gesehen und wer Zeit und Lust hat kann sich hier weiterbilden:

http://www.sf.tv/videoplayer/embed/6b376c4f-9803-4aaf-b56d-c60ba474be1c

http://www.sf.tv/videoplayer/embed/24c11c9a-8806-4b77-a970-0b8e55b425a7

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Meat-Checking-District

Den ersten Unterschied merke ich wenn ich „Schweizer Fleisch“ und „Deutsches Fleisch“ google. Bei den Schweizern wird mir sofort die staatliche Einrichtung „Schweizer Fleisch – Suisse Garantie“ vorgeschlagen, bei den Deutschen erhalte ich als ersten Treffer „Folge des Dioxin-Skandals: Ausland verschmäht deutsches Fleisch„.

Gab es nicht auch einmal in Deutschland eine Qualitätssicherung? Aber das wird ja jetzt alles über die EU geregelt. Geschmacklich scheint das keine gute Lösung zu sein, denn im Vergleich zum Schweizer Fleisch ist die Deutsche Variante wesentlich unspektakulärer, und das ist schon wohlwollend umschrieben.

Ich bin bei jedem Schnitt (der wie durch Butter in das Fleisch gleitet) und jedem aromatischen Bissen mehr vom Schweizer Fleisch begeistert.

Was machen die mit ihren Kühen god damn it??

Um den direkten Vergleich zu haben ist am Wochenende eine Fleisch-Challenge mit dem Cowboy geplant! Wir machen den ultimativen Test: Schweizer Entrecote vs. Deutsches Entrecote.

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Todsünde #1 

Eigentlich hätte ich es wissen müssen. Eigentlich hätte es mir klar sein können. Die Schweizer verstehen da einfach keinen Spass. Und nehmens ganz genau.
Was ich getan habe?
Ich gestehe:

ICH HABE DEN WARENTRENNER AUF DEM SUPERMARKT-KASSENFLIESSBAND VERGESSEN HINZULEGEN.

Mein nicht konformes Verhalten wurde sofort geahndet und die Kassierin greift sich einen der Warentrenner, verdreht die Augen und  ranzt mich scharf an:
„Wofür glauben Sie gibt es diese Dinger?“
Frl.K.: „Öhm, ja. Entschuldigung.“
„Wir können hier nicht auf alles achten!“
Frl.K.: „Ich sagte doch es tut mir leid! Ausserdem war da ein echt grosser Abstand zwischen den Sachen!“
schaut mich noch schärfer an: „Darauf können wir nicht auch noch achten!“
Frl.K.: „Wenn ich jetzt sage dass ich es nie nie nie niemals mehr wieder tun werde, muss ich dann nicht in die Ecke und mich schämen?“
Sie grummelt und wünscht mir dennoch einen schönen Tag.

Ui ui ui, das war Schweizerische Korrektheit par excellence.
Nun bin ich traumatisiert und werde mir schon zu Beginn meines Einkaufs einen Warentrenner in den Korb legen damit ich`s ja nicht vergesse. Es muss schliesslich alles seine Ordnung haben. Jawohl.

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Einleitung

Ich muss ja zugeben ich war eine dieser Deutschen, die aus irgendeinem unerfindlichen Grund glaubten die Schweiz (sowie Oesterreich!) sei eine lustige kleine Verlängerung Deutschlands Richtung Süden.
Die reden da eben etwas komisch, aber ansonsten sind die da genau gleich wie bei uns. Ich habe somit die Schweiz gar nicht als Ausland sondern als 18. Bundesland (17. Bundesland = Mallorca), über das man nun mal nich so viel weiss, wahrgenommen (kommt in etwa Bremen gleich).

Und so kommt es auch, dass ich nun bei meinen ersten Aufenthalten in der Schweiz einen regelrechten kleinen „Kulturschock“ erlebt habe und mir mit einem Schlag bewusst geworden ist, dass in diesem kleinen Land die Uhren tatsächlich anders ticken.

Vielleicht liegt mein Unwissen auch auf der Tatsache begründet dass ich keine Ski-Fahrerin bin und somit auch nicht zu den 16,7 % Deutschen gehöre die ihren Winterurlaub in der Schweiz verbringen und so ihr Klischeedenken mit Schoki, Fondue und Fränkli korrigieren konnten.

So habe ich mich auf die Suche nach Literatur zum Thema gemacht, bin fündig geworden, habe gelernt und stelle hier und da meinen Schweizer Menschen einige komische Fragen um dieses Völkchen zu begreifen und besser zu verstehen (im verbalen sowie im inhaltlichen Sinne).

Meine ersten Erkenntnisse also waren:

1. Die Schweiz ist anders und
2. als man denkt.

Das mag für einige unter Ihnen vielleicht banal klingen, aber für mich war es eine sehr wichtige Einsicht und Hilfe dieses Anderssein der Schweiz auch zuzugestehen.

>Introduction Personal Project

>Liebe Leser,

in Anbetracht der Umstände dass Frl. K. sich nun häufiger in der Schweiz aufhält, sie sich noch vorsichtig umschaut und Entdeckungen macht und vor allem aber dieses Land besser kennenlernen will, entstand die Idee für:

Es wird dabei u.a. um meine Erfahrungen mit den Unterschieden zu Deutschland gehen, um Kultur, Sprache, Mentalität, Landschaft usw.
Angeregt wurde ich dabei von zwei Büchern die ich gelesen habe („Gebrauchsanweisung für die Schweiz“ und „Gruezi Gummihälse, Warum die Deutschen manchmal nerven.“) und meinem bisherigen kleinen Eindruck den ich erhalten durfte. Es wird dabei manches vielleicht nicht gaaaanz so ernst gemeint sein, ich bitte daher schon vorab alle mitlesenden Schweizer um Entschuldigung (Auch das habe ich gelernt machen die Schweizer gerne: Sich schon vorher absichern) sollten sie sich in irgendeiner Form auf den Schlips getreten fühlen. Aber schliesslich geht es in meinem Fall ja auch irgendwie um Integration und was wäre eine Integration ohne die Eigenheiten des fremden Landes?
In diesem Sinne hoffe ich auf interessante Diskussionen und Erkenntnisse…
Bald gehts los.

Ihr Frl. K.